Meine Figur
Hier kannst du erfahren, warum Magdalena Roesch jetzt so vor dir steht.
Ein kleiner Einblick in den Entstehungsprozess meiner Figur.
Warum habe ich mich für diese Figur entschieden?
Ich wusste, es soll eine Person aus den letzten zwei Jahrhunderten werden. Eine besonders spannende Zeit für Freiburg, finde ich. Freiburg erlebt eine völlig andere Industrialisierung, wächst rasant, erlebt Kriege hautnah durch die Nähe zu Frankreich.
Der erste Weltkrieg ist ein wenig der vergessene Weltkrieg. Und wenn man sich damit beschäftigt, denkt man an dramatische Schlachten, an hochindustrialisierte Waffen, an tote Soldaten. Und was passiert in Freiburg währenddessen? Während meiner Recherche bin ich auf Frauen gestoßen, die während des Krieges die Aufgaben ihrer Männer übernommen haben. Frauen in Männerberufen – in einer Zeit, zu der Frauen noch nicht einmal wahlberechtigt waren, eigentlich unvorstellbar. Aber wer arbeitet denn dann in Fabriken, versorgt die verwundeten Soldaten, fährt die Straßenbahnen?
Diese, vielleicht sogar ungewollte, Emanzipation der Frauen in der Berufswelt hat mit Sicherheit einiges in der Gesellschaft verändert. Doch nicht nur deshalb ist die Schaffnerin von vor über hundert Jahren eine spannende Persönlichkeit.
Durch ihre Uniform ist sie ein typisches Beispiel für das durch und durch militarisierte Kaiserreich und steht exemplarisch für ihre Zeit.
Warum hat die Figur kein Gesicht?
Das hat vor allem drei Gründe. Zum einen hat sich keiner von uns zugetraut, die Figur mit einem Gesicht zu versehen - letztendlich würde sie das nicht schöner machen.
Viel wichtiger aber: wir haben neun Personen gewählt. Neun Personen, die stellvertretend für tausende andere Personen der Freiburger Stadtgeschichte stehen. Natürlich stehen die Figuren immer für eine Person. Aber gleichzeitig stehen sie eben auch für die Zeit, in der sie lebten. Kein individuelles Gesicht - das bedeutet: hier könnte jeder und jede stehen, auch du. Denn das ist der dritte Grund: Du sollst dich mit den Figuren, mit der Geschichte Freiburgs, mit den Gesichtern dieser Stadt, identifizieren.
Denn wer weiß, vielleicht spielst du bald eine ganz wichtige Rolle in der Stadtgeschichte?
Warum sieht die Figur so aus, wie sie aussieht?
Orientiert habe ich mich vor allem an einer historischen Aufnahme, vermutlich aus dem Jahr 1915, welche eine Gruppe von Schaffnerinnen zeigt. Die Kleidung dieser Frauen habe ich versucht, möglichst genau nachzubilden. Nur bei der Farbe hatte ich freie Wahl – die Fotografie ist schließlich schwarz-weiß. Die Nummer auf der Mütze hat keinerlei Bedeutung – Magdalena Roesch ist eine fiktive Person, daher auch eine fiktive Nummer, die nicht auf dem historischen Foto zu erkennen ist.
Die Körperhaltung soll selbstbewusst und bestimmt sein, so dass man sich gut vorstellen kann, dass Magdalena Roesch vor dem Betrachter steht und die Fahrkarten verlangt.
Unten sind zwei Fotos: die erwähnte historische Aufnahme und eine Skizze vor dem Bau der Figur.